Predigtserie “Die Anderen”

Menschen bilden durch gemeinsame Handlungen und ihren Lebensraum eine Gesellschaft. Das kann man unterschiedlich gross definieren: Ich bin Europäer, Schweizer, Emmentaler, Hindelbanker, einer aus der Mühlematt. Egal wie gross der Kreis einer Gesellschaft ist, immer bilden sich daraus Normen. Es sind Auffälligkeiten, die den Grossteil verbinden, gemeinsame Nenner. Das kann im Verhalten sichtbar werden, in der Kleidung, im Zivilstand, in der Ausdrucksweise, im Vermögen, dem Lebensrhythmus oder in sonst einem Bereich.

Unsere Gesellschaft bildet, ob wir es wollen oder nicht, immer wieder solche Normen. Das ist gut, denn es verbindet, vereinfacht und gibt Sicherheit. Aber es ist auch nicht gut. Denn grundsätzlich gibt es bei jeder gesellschaftlichen Norm auch Menschen, die nicht dieser Beschreibung entsprechen. Das sind dann die Anderen. Diejenigen, welche zwar physisch dazugehören, aber sonst eigentlich ausserhalb der Norm und damit aus der Gesellschaft sind.

In der Regel hat jede Gesellschaft mindestens einen Typen, der für «die Anderen» steht. In der Schule ist es der Übergewichtige mit der grossen Brille. Bei der Arbeit findet die Äthiopierin sprachlich nicht den Zugang. Im Quartier ist es Herr Müller, welcher sein Altpapier immer zwei Tage im Voraus hinausstellt. In der Verwandtschaft ist Heidi draussen, weil sie keinen akademischen Abschluss hat, sondern Tänzerin ist. Und in der Schweiz sind es all diejenigen, welche nicht gerne wandern und Cervelat bräteln.

Jesus kennt diese Trennung zwischen der Gesellschaft und den Anderen. Ihm gelang es sich beiden zuzuwenden. Wir werden uns in dieser Predigtserie aber mal ganz bewusst im Lukasevangelium nur «den Anderen» zuwenden.

Ich wünsche mir, dass wir einen geschärften Blick für die Anderen erhalten und mit Jesus positiv prägende Worte und Handlungen für das Leben finden.

Michael Wenk